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Gastbeitrag von Dr. Roland Ottmann

„Einkehr“ nach dem Gipfelsturm: Projektmanager vor der „Ikarus-Falle“

Die Inseln Samos, Delos und Levitha hatte der Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“ das Thema Erschöpfungsdepression als Aufmacher und gab somit dem Burn-out den Ritterschlag zum Trendthema. Das Magazin lieferte gleich auch prominente Beispiele für ausgebrannte Menschen: Matthias Platzeck beispielsweise trat vom Amt des SPD-Bundesvorsitzenden zurück. Sven Hannawald beendete 2005 seine Skispringer-Karriere. Fernsehkoch Tim Mälzer fühlte sich, als wären „die Stromkabel durchgeschnitten“.

In der Tat kann Projektarbeit Körper, Geist und Seele auszehren. So zeichnet der Psychologe Dr. Manfred Mühlfelder von der Audi-Akademie nach, wie in Projekten die Unsicherheit und der Zeitdruck die Manager belasten. Hinzu kommt die „Kooperationsenge“. „Projektarbeit zeichnet sich dadurch aus, dass die eigene Arbeitstätigkeit stark davon beeinflusst wird, wie schnell oder langsam, wie gut oder schlecht die Kollegen arbeiten“, schreibt er in der Fachzeitschrift „Projektmanagement aktuell“. Kooperationsenge, Unsicherheit und Zeitdruck – dies kann durchaus die gefürchteten Erschöpfungsdepressionen nähren. Mancher Ikarus von heute betrachtet sich als Maschine, die seinem Ehrgeiz zu Diensten stehen soll. Indes: Nicht jedem Projektmanager geht die Kraft aus, wenn er von Erfolg zu Erfolg stürmt. Und genaugenommen war auch Sagenheld Ikarus auf dem Weg zur Sonne nicht flügellahm geworden. In das abrupte Scheitern spielen noch andere, subtilere Gründe hinein.

 

Hinweise gibt Professor Hans A. Wüthrich (Universität der Bundeswehr, München). Der Wissenschaftler befasst sich mit erfolgreichen Managern, denen es zur Gewohnheit geworden ist, von Zeit zu Zeit das eigene Führungsverhalten in Frage zu stellen und eingefahrene Arbeitsmuster zu durchbrechen. So unterschiedlich diese Manager-Persönlichkeiten sind – gemeinsam ist ihnen die Fähigkeit der Reflexion. Sie nehmen immer wieder Abstand von ihrer Arbeitswelt. Sie besinnen sich und begeben sich auf die Suche nach neuen Wegen zu ihren Zielen. „Was heute zu vielen teuren Fehlern im Geschäftsleben führt, ist zu schnelles, eruptives und aktionistisches Handeln“, erklärt Wüthrich in einem Interview mit der "Der Spiegel" zum Thema „Ausgebrannt – Das überforderte Ich“
Fachzeitschrift "Projektmanagement aktuell"
Buch "Die Kunst des Projektmanagement. Inspiriert durch den Wandel"