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Was sind Innovationen und wer ist dafür zuständig?

Lemuel Lasher ist bei CSC, Anbieter von IT-gestützten Businesslösungen und Dienstleistungen, verantwortlicher Chief Innovation Officer. Im Rahmen der Nordic Project Zone Ende November in Kopenhagen wird er zum Thema Innovationen einen Vortrag halten und einen Workshop leiten. Als Sponsor präsentiert Can Do im Vorfeld des Events Auszüge aus einem Interview mit Lemuel Lasher.

Innovationen im Projektmanagement

Innovationen im Projektmanagement

Nordic Project Zone (NPZ): Das Thema Innovationen ist mal wieder in aller Munde. Was sind die Ursachen dafür, dass manche Unternehmen in Sachen Innovationen sehr erfolgreich sind und andere eben nicht?
Lemuel Lasher: Meiner Meinung nach gibt es im Wesentlichen vier Erfolgsfaktoren für ein erfolgreiches Innovationsprogramm in Unternehmen:  Als ersten Faktor möchte ich die Unterstützung des Innovationsprogramms durch das Top-Management nennen. Innovationen müssen ganz oben auf der Agenda des CEO stehen, er muss sich um das Thema aktiv kümmern. Das liegt daran, dass Innovationen Teil der Unternehmenskultur sind, wie ein Unternehmen funktioniert, welche Werte wichtig sind. Innovationsprogramme im Unternehmen und die Unternehmensstrategie selbst hängen sind eng miteinander verknüpft – deshalb ist die Unterstützung durch das Top-Management so wichtig. Entsprechend müssen diese Innovationsprogramme von Führungskräften umgesetzt werden, die mit ausreichend Kompetenzen und Ressourcen ausgestattet sind, um dies auch durchzusetzen.

Ist dieses erste Kriterium erfüllt, geht es in einem zweiten Schritt darum, eine geeignete Organisationsstruktur, die richtige Governance  und die richtigen Gremien im Unternehmen zu etablieren, dass die vorgegebene Innovationsstrategie auch entsprechend umgesetzt werden kann. Denn in der Regel muss im Unternehmen irgendetwas verändert werden – bestehende Organisationsstrukturen müssen modifiziert oder neue Strukturen eingeführt – ,  um das Innovationsprogramms wirksam umzusetzen.

Nordic Project Zone

Nordic Project Zone

Drittens müssen Prozesse etabliert werden, die es den Führungskräften, die mit der Umsetzung des Innovationsprogramms vertraut sind, ermöglicht, die Agenda aktiv voranzubringen. Damit meine ich in erster Linie den Prozess für Ressourcenzuweisungen. Gleichzeitig müssen alle Störprozesse eliminiert, alle innovationsförderlichen Prozesse gefördert  bzw. neu aufgesetzt werden.

Schließlich müssen für das Innovationsprogramm Mitarbeiter zur Verfügung gestellt stehen, die die Agenda umsetzen. Es werden auch passende technische Mittel wie Tools zur Ideenbildung, RSS-Feeds, kollaborative Werkzeuge oder Social Media-Anwendungen benötigt. Diese Dinge sind heutzutage nicht mehr wegzudenken.

Umgekehrt gilt: Steht das Innovationsprogramm nicht auf der Agenda des Top-Managements, werden die Strukturen nicht angepasst und die umsetzenden Fachkräfte nicht mit ausreichend Kompetenzen, Ressourcen oder technischen Mitteln ausgestattet, dann wird das Innovationsprogramm sehr wahrscheinlich scheitern.

Projektmanagement-Interviews von Can Do

Projektmanagement-Interviews von Can Do

NPZ: Kann der Fall eintreten, dass ein Unternehmen zu sehr innovativ ist?
Lemuel Lasher: Das gibt es wirklich. Denn Innovationen sind nicht überall angemessen. Es gibt Innovationen in Bereichen, in denen Sie wirklich keinen Mehrwert für das Unternehmen darstellen und in denen sie nicht angebracht sind. Wenn ich beispielsweise einen Piloten suche, dann suche ich jemanden, der die Kompetenz hat, ein Flugzeug sicher zu fliegen und mit dieser Aufgabe verantwortungsvoll umgeht. Hier erwarte und suche ich keinen innovativen Piloten. Es gibt also durchaus Bereiche in Unternehmen, in denen Innovationen fehl am Platz sind. Innovationen sollte es trotzdem in allen Unternehmen geben, obwohl nicht alles, was Unternehmen betreiben, in irgendwelchen Innovationen münden muss.

NPZ: Hängen Innovationen von der Unternehmensgröße ab?
Lemul Lasher: Eine Innovation ist in der Regel die kreative Anwendung von Fachwissen auf eine spezifische Problemstellung, die in einer strengen, disziplinierten Art und Weise mit viel Aufwand und harter Arbeit entstanden ist und an der eine Menge von Menschen beteiligt waren. Darin sind sich Innovationen sehr ähnlich. Ganz unterschiedlich können aber die Rahmenbedingungen sein, innerhalb derer sie entstanden sind: In Großkonzernen kann es aufgrund der Bürokratie , eingefahrener Prozesse und starrer organisatorischer Strukturen schwierig sein, Innovationen zu entwickeln. In Großkonzernen geht es oftmals nicht um Innovationen, sondern um Risikominimierung.

Innovationen sind harte Arbeit

Innovationen sind harte Arbeit

In kleineren Unternehmen sind die Probleme anders gelagert: Hier herrscht zwar meistens eine unternehmerische und freie Kultur, aber es fehlen oft die finanziellen Mittel und die Mitarbeiterkapazitäten, um Innovationsprogramme umzusetzen. Deshalb würde ich nicht sagen, dass es in einem Großkonzern oder in einem kleineren Unternehmen schwieriger oder leichter ist, innovativ zu sein – die Probleme und Herausforderungen sind jeweils andere.

NPZ: In früheren Vorträgen über das Thema Innovationen unterscheiden Sie zwischen „best practice“ und „next practice“ – vielleicht können Sie das hier nochmals erläutern?
Lemuel Lasher: „Best practices“ haben sicherlich ihre Berechtigung in der Unternehmensstrategie. Aber „best practice“ heißt letztlich etwas zu tun, was andere bereits erfolgreich getan haben. Innovationen hingegen sind per Definition etwas Andersartiges, etwas Neuartiges. Wenn Unternehmen auf „best practices“ setzen, dann kann das sicherlich für sie mit einem Mehrwert verbunden sein, sie können „best in class“ werden. Aber sie werden dadurch nicht innovativ. Innovativ zu sein heißt, bekannte Pfade zu verlassen, etwas Neues zu ausprobieren und Dinge anders, neu zu definieren. Deshalb sind für Innovationen „next practices“ wichtiger als „best practices“.

Innovationen im Projektmanagement

Innovationen im Projektmanagement

NPZ: Lassen Sie uns in einer letzten Frage den Blick auf Projektmanager richten: Projektmanagement ist in der Regel von strikten Prozessen und Regeln geprägt – wie kann ein Projektmanager innovativ sein und sollte er überhaupt innovativ sein?
Lemuel Lasher: Innovativ zu sein, ist sicherlich nicht die Hauptaufgabe eines Projektmanagers. Andererseits zeichnet es einen wirklich guten Projektmanager aus, wenn er Herausforderungen und Problemen mit Kreativität begegnet – und Kreativität ist meiner Ansicht nach ein Charakteristikum von Innovationen. Aber Kreativität allein reicht nicht aus, um von einer Innovation zu sprechen. Eine Innovation ist wesentlich mächtiger, es geht dabei um etwas Neues, Schwerwiegendes, Bahnbrechendes – etwas, das grundsätzlich mit einem hohen Risiko verbunden ist. Und das widerspricht der Aufgabe eines Projektmanagers oder eines Programmmanagers. Dessen Aufgabe es ist, ein Projekt oder Programm „in time, in budget and in quality“ abzuschließen. Es ist nicht ihre Aufgabe, innovativ zu sein, sondern klar vorgegebene Ziele zu erreichen. Die Innovation selbst sollte wesentlich früher stattgefunden haben.

Can Do ist Sponsor der Nordic Project Zone, 25. – 27. November in Kopenhagen.

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