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Agile Projekte außerhalb der IT

Projektmanagement-Interview: Agile Projekte

Agile Projekte und agile Projektmanagement-Methoden sind weiter auf dem Vormarsch. Auch jenseits der IT- und der Software-Entwicklung sind Anwender agiler Methoden von den Vorteilen dieser Vorgehensweise überzeugt. Kein Wunder, dass der Summit Nordic Project Zone vom 25.-27. November 2013 in Kopenhagen einen Agile-Stream anbietet. Can Do ist Sponsor der Veranstaltung und präsentiert Auszüge aus einem Interview mit Marcel Stekelenburg, Projektmanager & Qualitätssicherungsmanager der niederländischen eBay-Tochter Marktplaats.nl, der im Rahmen der Nordic Project Zone einen Vortrag zum Thema „Agile Projekte im wirklichen Leben – außerhalb der IT“ halten wird.

Nordic Project Zone (NPZ): Was sind die Vorteile agiler Vorgehensweisen?

Waterfall-Methode

Marcel Stekelenburg: Nun der erste Vorteil für Unternehmen, der mir in den Sinn kommt, sind kürze Produkteinführungszeiten, Wenn Unternehmen mit herkömmlichen Arbeitsweisen eine Business-Idee haben, dann fertigen Sie zunächst eine Präsentation für Ihre Idee an, erarbeiten einen Business Case, machen ein funktionales und ein technisches Design und am Ende starten Sie dann das Projekt, das – wenn Sie Glück haben – ein paar Monate später erfolgreich abgeschlossen wird. Das ist die herkömmliche Vorgehensweise, die auch – je nach Art und Branche des Unternehmens – häufig funktioniert.
Für unser Unternehmen wollten wir eine andere Herangehensweise ausprobieren, die es uns ermöglicht, unsere Ideen wesentlich schneller in marktreife Produkte umzusetzen. Also begannen wir mit kleineren Projekten, setzten sie schnell um, um sie dann auch schnell an den Marktbedürfnissen anpassen zu können. Diese Anpassungen waren notwendig, weil wir während der Realisierungsphase neue Erkenntnisse gewonnen haben oder neue Vorschriften erlassen wurden, die wir auch gleich wieder einarbeiten wollten. In einem groß aufgesetzten Projekt lassen sich solche Anpassungen nur sehr schwer und mit großem Aufwand umsetzen – ebenso wie sich bei einem großen Öltanker eine signifikante Kursänderung nicht kurzfristig umsetzen lässt. Wir sind eher wie kleine Boote, die ihren Kurs schnell und flexibel ändern können.

NPZ: Welche Herausforderungen müssen sich Unternehmen stellen, die bspw. von der Waterfall- auf agile Methoden wechseln? Welche Hürden müssen Sie überwinden?

Nordic Project Zone 2013Marcel Stekelenburg: Das hat sehr viel mit Kommunikation zu tun – der Wechsel zu agilen Vorgehensweise ist ein Umdenken, ist wie eine offene Tür, durch die man gehen muss. Letztlich geht es darum, im Unternehmen schneller Feedback zu erhalten und das auch schneller umzusetzen.
Recht gut geht das im Bereich Technologien: Sobald etwas Neues umgesetzt wird, kommt sofort Feedback aus der Qualitätssicherung, von den Produktmanagern und von den Anwendern. Alle können direkt sehen, was in den letzten paar Wochen entwickelt wurde. Aber Sie müssen das auch von einem unternehmerischen Standpunkt aus betrachten: Ein solches Vorgehen mit kurzen Feedback-Zeiten muss im Unternehmen implementiert und etabliert werden und zwar im gesamten Unternehmen. Die Mitarbeiter müssen sich daran gewöhnen, dass Sie direkte Rückmeldungen auf ihre Arbeit erhalten und das ist nicht immer einfach für sie. Es muss eine offene Kultur entstehen, in der jeder Kritik äußern darf aber auch jeder kritisiert werden darf. Für mich ist das ein sehr wichtiger Teil der Herausforderung für ein Unternehmen.

 NPZ: Und was sind die wesentlichen Hebel für ein erfolgreiches Umstellen auf agile Methoden?

Projektmanagement-Interviews von Can DoMarcel Stekelenburg: Darüber kann man viele Bücher schreiben. Ich persönliche kenne nur einen wirklichen Erfolgsfaktor: Fangen Sie klein an!
Häufig beginnen Unternehmen bei der Einführung agiler Methoden mit der IT. Laut „Agiles Manifest“, beginnt man zuerst mit der Software-Entwicklung, meiner Meinung nach kann man aber irgendwo im Unternehmen mit der Implementierung beginnen, aber in der Regel beginnt der agile Wandel in der IT. Wenn es Ihnen gelingt zu zeigen, dass agile Methoden funktionieren und in kurzer Zeit Geschäftsideen erfolgreich umgesetzt werden können, dann wird das gesamte Unternehmen neugierig auf diese neue Arbeitsweise – so zumindest meine Erfahrung. Dann ergibt sich eine Art Domino-Effekt und immer mehr Abteilungen wollen mit agilen Methoden arbeiten.

NPZ: Die Einführung des Agilen ist also ein sukzessiver Prozess – wie müssen die Grundsätze und Regeln agilen Arbeitens angepasst werden, dass sie zu den jeweiligen Unternehmen passen auch unabhängig von der IT oder der Software-Entwicklung?

Marcel Stekelenburg: Es gibt im wesentlichen vier Grundsätze agilen Arbeitens, aber nur eine betrifft direkt die Software-Entwicklung. Die anderen Grundsätze sind problemlos auch für jede Abteilung außerhalb IT anwendbar, bspw. der Grundsatz „ Individuen und Interaktionen sind wichtiger als Prozesse und Werkzeuge“. Diese Regel können Sie wirklich auf jede andere Abteilung anwenden. Ebenso der Leitsatz „Auf Änderungen reagieren ist wichtiger als strikt nach einem Plan zu handeln“. Auch hier gilt: Fangen Sie klein an, damit Sie auf Veränderungen eingehen können – das gilt für das gesamte Unternehmen.

Das vollständige Interview in englischer Sprache finden Sie hier

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