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Buchvorstellung: Zukunft der Wissens- und Projektarbeit

Der bewusste Umgang mit Wissen, sei es über Kunden, Märkte oder Produkte, trägt entscheidend zum Projekterfolg bei. Dabei ist die zielgerichtete Vernetzung und Integration von Expertenwissen – Wissensmanagement auf der einen Seite, Projektmanagement auf der anderen Seite – charakteristisch für die moderne Projektarbeit. Diese neue Form des Projektmanagements – man ist versucht zu sagen „im postindustriellen Zeitalter – ist umfassender und weitreichender, als bisherige Definitionen von Projektmanagement hergeben. Entsprechend verspricht im Grußwort zu „Zukunft der Wissens- und Projektarbeit“ Reinhard Wagner, Vorstandsvorsitzender der GPM, dass das Buch einen Vorgeschmack und einen Ausblick geben wird auf die Veränderungen, die auf die Welt des Projektmanagements zukommen. Die Beiträge, führt Dr. Stefan Rehm, Vize-Präsident der Gesellschaft für Wissensmanagement e.V., in seinem Vorwort weiter aus, liefern konkrete Hintergründe und Zusammenhänge sowie praktische Hinweise und Erfahrungen zur Wissens- und Projektarbeit.

Herausgeberin Prof. Dr. Doris Weßels, Professorin für Wirtschaftsinformatik an der Fachhochschule Kiel und Gründerin der GPM-Regionalgruppe in Schleswig-Holstein, ist es gelungen, für ihr Buch „Zukunft der Wissens- und Projektarbeit“ 13 spannende und sehr lesenswerte Beiträge zu sammeln. Zwei Aufsätze möchten wir hier exemplarisch aufgreifen.

Prof. Dr. Heinz Schelle, Mitbegründer der GPM, liefert in seinem Beitrag „Aktuelle Trend des Projektmanagements“ eine übersichtliche Analyse des derzeitigen Stand des Projektmanagements: Er präsentiert bspw. PMOs als „unumgängliches Permanent in der sich ständig wandelnden Projektlandschaft“, stellt den Beitrag vor, den Projektmanagement durch sein strategisches Moment der Projektauswahl zur Unternehmensentwicklung leisten kann, und zeichnet den Perspektivwechsel weg von einer Betrachtung des Abwicklungserfolgs hin zum Anwendungserfolg. Darüber hinaus wirft er einen pointierten Blick auf die Themenfelder Softskills, interkulturelle Kompetenz und virtuelle Teamarbeit sowie auf die organisatorische Einbindung der Projektmanager-Karrieren in Unternehmen. Aber auch Wissen und Wissensmanagement haben im Projektmanagement einen Platz: Lernen aus Projekten, Projektbenchmarking und Reifegradmodelle führt Heinz Schelle hier ebenso an wie die Entwicklung neuer Vorgehensmodellen. Als neue Trends macht der Mitbegründer der GPM die Themen Multidimensionalität und mehrdimensionale Differenzierung aus. Dabei geht es darum, das Projekt aus verschiedenen Perspektiven zu analysieren, um ein besseres, ein pluralistisches Verständnis des Vorhabens zu erhalten und so ein größeres Toolkit zu erlangen, um das Projekt zu steuern. Dabei kommen – je nach eingenommener Perspektive – Methoden unterschiedlicher Disziplinen zum Einsatz, bspw. aus der Organisationspsychologie, der Kommunikationswissenschaft oder der Prozessentwicklung. Darüber hinaus kann die Differenzierung von Projekten in der Anwendung unterschiedlicher Management-Methoden münden.

In dem „Praxisbericht: Funktionales Wissensmanagement“ beschreibt Frank Jürgensen, wie im Kieler Unternehmen DSN, in dem er als Teil der Geschäftsführung für den Bereich Qualitäts- und Projektmanagementkultur zuständig ist, ein Wiki eingeführt und etabliert wurde. Eine der Hauptaufgaben bestand darin, Wissen in die Funktionen des Innovations-, Qualitäts- und Innovationsmanagement zu integrieren. Frank Jürgensen beschreibt dabei das Vorgehen, das bei einer Analyse der Wissenskultur im Unternehmen ansetzt, das Wissensmanagement in Relation zu dem Bereich berücksichtigt, der erfasst werden soll, und mit welchem Vorgehen Wissen erfasst, wie es strukturiert und zur Verfügung gestellt werden kann. Wissensmanagement charakterisiert er als zentrale Aufgabe des Projektmanagers der Zukunft, der „Wissen anwendet“, „Wissen transferiert“ und „Wissen transformiert“. Ein funktionales Wissensmanagement bereichert, so Jürgensens Prognose, das Projektmanagement der Zukunft.

Zukunft der Wissens- und Projektarbeit. Neue Organisationsformen in vernetzten Welten, hrsg. von Doris Weßels, Düsseldorf 2014 (Sympsion Publishing / ISBN 978-3-86329-620-9)