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Softwareentwicklung: Agiles und klassisches Projektmanagement

Projektmanagement-Interview mit Anoush Hendizadeh

Anoush Hendizadeh ist Leiter der Entwicklungsabteilung bei Can Do. Der Informatiker hat für die Weiterentwicklung der Projektmanagement-Software Can Do project intelligence eine Mischform aus agilem und klassischem Projektmanagement gewählt. Nach den größeren Entwicklungsschritten Projektportfoliomanagement (ab Version 4.0) und Budgetmanagement (ab Version 4.1) werden nun verstärkt die Anwender bei der Entscheidung eingebunden, welche Features für das Projektplanungs- und –Steuerungs-Tool entwickelt werden sollen.

Can Do: Vor allem im Bereich der Software-Entwicklung wenden sehr viele Unternehmen Scrum als Vorgehensmodell an. Sie setzen auf eine Mischform von agilem und klassischem Projektmanagement. Worin sehen Sie die Vorteile Ihrer Vorgehensweise?
Anoush Hendizadeh: Beim Prozess der Weiterentwicklung unserer Software verfolgen wir einen ganzheitlichen Ansatz. Unsere Entwicklungsabteilung ist einerseits für die kontinuierliche Weiterentwicklung unseres Produkts zuständig, gleichzeitig decken wir den Bereich der Qualitätssicherung ab. Die Qualitätssicherung können wir zum Teil in den Sprints darstellen, wenn es bspw. um Verbesserungen in der Ergonomie geht. Andererseits können hier kurzfristige Anforderungen wie Bugfixes nicht im Voraus genau geplant werden, weshalb wir dafür Kapazitäten einplanen, die wir dann bei Bedarf abrufen können. Schließlich stellen wir Kapazitäten für spezielle Entwicklungsaufträge unserer Kunden bereit, wie z.B. für die Entwicklung von Schnittstellen.

Anoush HendizadehBei dieser „dualen“ Vorgehensweise kommt übrigens unser eigenes Tool intensiv zum Einsatz: Beispielsweise verwenden wir bei der Aufwandschätzung inakkurate Werte, bei der Ressourcenplanung unterstützt uns unser dynamisches Kapazitätsabgleichverfahren „Waterodel®“ und mit unserem Portfoliomanagement haben wir eine ideale Möglichkeit, die verschiedenen Prozesse zu überwachen und zu steuern.

Die Weiterentwicklung und einen Teil der Qualitätssicherung haben wir in Sprints organisiert, die eine Laufzeit von drei Monaten haben. Hier unterscheiden wir nochmals zwischen funktionellen Erweiterungen, die innerhalb dieser drei Monate umgesetzt werden und größeren Neuerungen, deren Entwicklung sich über mehrere Sprints erstrecken kann. Das heißt, dass parallel zum jeweiligen aktuellen Sprint auch schon die Arbeiten für das nächste „major release“ laufen.

Mit der agilen Entwicklungsmethode können wir unsere Software-Entwicklung schlank und flexibel halten. Den anderen Teil der Qualitätssicherung und die Abwicklung von Kundenaufträgen organisieren wir nach klassischen Planungs-Methoden, und da wir unsere Entwickler in allen drei Bereichen einsetzen, hat sich bei uns eine Mischform aus klassischem und agilem Projektmanagement etabliert.

Dynamisches Abgleichverfahren WatermodelCan Do: Wie verteilt sich der Einsatz der Ressourcen auf die drei Bereiche Weiterentwicklung, Qualitätssicherung und Kundenaufträge?
Anoush Hendizadeh: Wir setzen unsere Entwickler in etwa zu 60 Prozent für die turnusmäßige Weiterentwicklung unserer Software ein. Circa 25 Prozent reservieren wir für die Qualitätssicherung. Den Rest unserer Kapazitäten halten wir für außerplanmäßige Entwicklungsaufträge unserer Kunden bereit. Da es sich bei Can Do project intelligence grundsätzlich um eine Standardsoftware handelt, werden diese Kapazitäten nicht immer abgerufen – sie fließen dann in die ersten beiden Bereiche ein.

Can Do: Auf der Website von Can Do werden nun alle Entwicklungsschritte und Neuerungen tagesaktuell vorgestellt. Aber auch die Behebung von Bugs wird auf dieser Seite kommuniziert. Ist dies aus Entwicklersicht nicht etwas zu viel Offenheit?
Anoush Hendizadeh: Ich bin der Auffassung, dass Transparenz Vertrauen schafft. Es ist kein Geheimnis, dass trotz sorgfältiger Entwicklungsarbeit und intensiven Tests noch Fehler auftreten können. Wir sind dann sehr dankbar, wenn Anwender uns diese Bugs melden. Wir möchten nicht, dass unsere Kunden uns als Blackbox wahrnehmen, deshalb veröffentlichen wir auch, wann wir den gemeldeten Bug gefixed haben.

Can Do: … und Sie haben die Kunden bei der Weiterentwicklung der Software verstärkt mit ins Boot geholt.
Anoush Hendizadeh: Wir haben bezüglich der Weiterentwicklung unserer Software noch sehr, sehr viele Ideen. Aus dieser Fülle von möglichen Erweiterungen können unsere Kunden abstimmen, welche Features sie als erstes realisiert wissen wollen. Dafür stellen wir dann einen Teil unserer Entwicklungskapazität zur Verfügung. Ich finde diese Vorgehensweise sehr spannend. Schließlich haben auch wir Feature-Favoriten und sehen nun, wie diese in der Gunst unserer Kunden stehen. Die Abstimmung wird übrigens sehr intensiv von unseren Kunden genutzt. Gerade haben wir die erste Abstimmung abgeschlossen und werten sie aktuell aus. Darauf folgt entsprechend die interne Entwicklungsplanung und die ersten Features aus dieser Abstimmung möchten wir im September fertigstellen.